Ein weiterer Sturm im Wasserglas in der US-Chinapolitik

Die Verabschiedung eines nationalen Sicherheitsgesetzes für Hongkong durch die Regierung in Peking sowie die Ankündigung von US-Präsident Trump als Reaktion darauf, die Aufhebung der Privilegien Hongkongs im Handel mit den USA prüfen zu lassen, hat kurzfristig zu starken Kursreaktionen bei chinesischen und internationalen Aktien geführt. Doch die Ankündigung hat keine Substanz und ändert nichts an der Attraktivität eines Aktieninvestments in China.


Wir von ASPOMA beurteilen die bestehende Sachlage als weitestgehend unverändert und stufen die Ankündigungen Trumps daher als „Nicht-Ereignis“ ein. Diese Einschätzung basiert auf folgenden Überlegungen:


Sicherheitsgesetz «nur» eine weitere Facette des bereits seit mehreren Jahren schwelenden Konflikts zwischen den USA und China


Der Konflikt um das Sicherheitsgesetz reiht sich in eine Kette aus Auseinandersetzungen zwischen den USA und China, dem folgende Ereignisse vorausgingen:

  • ein von Trump im Jahr 2018 initiierter Handelskonflikt, der im Januar 2020 mit dem „Phase 1 Deal“ ein (temporäres) Ende fand.

  • die Drohung, China als Wechselkursmanipulator einzustufen (Juni 2019)

  • ein seit 2018 laufender Konflikt zwischen den USA und Huawei betreffend dem Ausbau der 5G-Mobilfunkinfrastruktur, inklusive Verbot an betroffene Chip-Hersteller zur Belieferung an Huawei, wenn deren Produkte „made in USA“ sind

  • die Androhung von Regelungen, die chinesische Unternehmen zu einem Rückzug von amerikanischen Börsenplätzen (delisting) zwingen könnten (Mai 2020)

Bisherige Drohungen wurden meist nicht umgesetzt. Hätte Trump China wirklich «wehtun» wollen, dann hätte er andere Maßnahmen ankündigen müssen.


Die vielfältigen Drohungen Trumps wurden oftmals nicht, oder nur halbherzig umgesetzt und haben die wirtschaftliche Entwicklung Chinas fundamental nicht beeinträchtigt. So wurden beispielsweise die Zölle auf chinesische Importe letztlich von den amerikanischen Bürgern gezahlt und der sogenannte «Phase 1 Deal» ist nur ein sehr magerer Erfolg für Trump.


Und auch die jetzige Situation ist vielschichtiger, als es die Ankündigungen Trumps zum Ausdruck bringen. Hintergrund sind die ausgedehnten, regierungskritischen Proteste, die durch das von der Regierung Hongkongs im Juni 2019 vorgeschlagene Auslieferungsgesetz ausgelöst wurden. Am 4. September kündigte Carrie Lam, Regierungschefin von Hongkong dann an, das Auslieferungsgesetz zurückzuziehen. Die Proteste gingen aber trotzdem unvermindert weiter.


Die Reaktion Trumps auf das neue Sicherheitsgesetz hat die chinesische Regierung sicherlich nicht überrascht. Sie dürfte sie vielmehr billigend in Kauf nehmen, weil die Belastungen für Festland China gering sind. Der Leittragende wäre vielmehr Hongkong, das durch die US-Maßnahmen aber eigentlich geschützt werden soll. Auch in diesem Fall bleibt abzuwarten, welche Maßnahmen am Ende wirklich ergriffen werden. Die wirtschaftliche und technologische Entwicklung Chinas werden sie nicht nachhaltig negativ beeinflussen.


Riesige Wirtschaftsinteressen amerikanischer Unternehmen in China als Hauptargument dafür, dass sich die USA und China arrangieren werden.


Die wirtschaftlichen Interessen amerikanischer Unternehmen in China sind weitreichend. Viele amerikanische Unternehmen erzielen erhebliche Umsätze in China (z.B. Apple USD 43 Mrd. bzw. 17% des Gesamtumsatzes, Applied Materials USD 4 Mrd. bzw. 29% des Gesamtumsatzes) und haben dort enorme Summen investiert. Ein großer Teil ihres Wachstums wird durch ihr Chinageschäft erwirtschaftet.


Trump und Amerika werden akzeptieren müssen, dass die USA ihre wirtschaftliche und strategische Macht mit einem aufstrebenden China in einer geordneten und kontrollierten Weise wird teilen müssen.


Und die Regierung in Peking wird sich damit abfinden müssen, dass ihr erklärter Wunsch, ihre aufsteigende Macht innerhalb der bestehenden globalen Strukturen wirken zu lassen, auch Verpflichtungen mit sich bringt. China wird die Regeln dieser globalen Strukturen akzeptieren und sich zu mehr Transparenz verpflichten müssen.


Kurz gesagt, die beiden Staats- und Regierungschefs werden sich letztlich darauf einigen (müssen), dass der zunehmende Wettbewerb zwischen den beiden Nationen kein Nullsummenspiel sein muss und dass Zusammenarbeit und Zugeständnisse für beide Seiten vorteilhafter sind als Konfrontation.


Trumps Feldzug wird die Entwicklung Chinas nicht aufhalten. Ende 2021 wird die chinesische Wirtschaft 10% grösser sein als 2019, die USA und Europa werden dagegen die Wirtschaftsleistung des Jahres 2019 noch nicht wieder erreicht haben.


Keine der bisherigen Maßnahmen Trumps konnte die wirtschaftliche Entwicklung Chinas aufhalten. Chinas Wirtschaft und Wirtschaftspolitik hat Schwächen, wie beispielsweise die hohe Verschuldung in Teilbereichen der Wirtschaft; in Summe muss der Leistungsausweis Chinas den Vergleich mit den USA und Europa aber nicht scheuen.


Chinas Wirtschaft war vor Beginn der Corona Pandemie in einer robusten Verfassung und alles deutet per heute darauf hin, dass die wirtschaftliche Erholung in China zügig voranschreitet. Ermutigend ist insbesondere, dass es seit dem Aufheben der Corona Restriktionen vor sechs Woche zu keinem Anstieg der Neuinfektionen gekommen ist. So gehen Ökonomen im Schnitt davon aus, dass Chinas Wirtschaftsleistung im Jahr 2021 um rund 10% über der des Jahres 2019 liegen wird; in den USA und Europa wird es dagegen bis 2022 dauern, bis die Einbrüche des Jahres 2020 überhaupt einmal wettgemacht sind.

Die Bewertung des MSCI China liegt bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12x und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,7x (2021E Bloomberg Consensus). Für den S&P 500 liegen die vergleichbaren Werte bei 19x bzw. 2,5x.


China bleibt für Finanzinvestoren ein sehr attraktiver Anlagemarkt. Ein riesiger, nachhaltig stark wachsender Binnenmarkt und rasch steigendes Einkommen der Bevölkerung sind Nährboden für die beste Konsum-Story der Welt. Exporte nach Amerika spielen aus gesamtwirtschaftlicher Sicht nur noch eine geringe Rolle. Viele chinesische Unternehmen werden auf absehbare Zeit trotz politischer oder wirtschaftlicher Turbulenzen ein Wachstum im hohen einstelligen bzw. tiefen zweistelligen Bereich erreichen.

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